Geburtstrauma und Plexus brachialis

Eine normale Entwicklung des Kindes ermöglichen

Bei einer natürlichen Geburt wird das Baby durch den engen Geburtskanal gedrückt. Es ist daher normal, dass einige Kinder mit Hämatomen zur Welt kommen. Bei etwa 1 bis 5 von 1000 Lebendgeburten kommt es zu einer Verletzung des Plexus brachialis. Plexus brachialis Verletzungen sind relativ selten. Ein höheres Risiko besteht:

  • bei Babys mit einem hohen Geburtsgewicht (mehr als 4000 Gramm)
  • wenn die Geburt lang dauert
  • eine Zangengeburt durchgeführt wird


Die meisten der betroffenen Kinder erholen sich innerhalb von zwei bis drei Monaten vollständig und müssen aus diesem Grund nicht am Plexus brachialis operiert werden. Bis zur vollständigen Erholung beeinflussen Lähmungen die normale Entwicklung. Dadurch kann es - nach dem ersten Lebensjahr, manchmal auch schon vorher - zu Kontrakturen, Verformung der Knochen und schweren Funktionseinschränkungen kommen.

DIAGNOSE DES PLEXUS BRACHIALIS BEI KINDERN

Wie wird eine Verletzung des Plexus brachialis bei Kindern festgestellt?

Typischerweise haben betroffene Kinder unterschiedliche Grade der Lähmung, z. B. Schulter, Ellbogenbeugung, fehlende Handgelenkstreckung, Handlähmung oder komplette Lähmung des gesamten Armes. Die Diagnose wird anhand einer klinischen Untersuchung festgestellt.

WANN PROFITIERT EIN KIND VON EINER OPERATION AM PLEXUS BRACHIALIS?

Operationen sind in zwei Fällen sinnvoll:

  • Wenn Kinder eine komplette Lähmung des Armes haben und nicht entsprechend bis zum dritten bis sechsten Monat regenerieren.
  • Wenn Kinder eine Läsion am oberen Plexus brachialis haben, u. z., wenn die Schulterbeweglichkeit und die Ellbogenbeugung gelähmt sind und gegen die Schwerkraft bis zum dritten Monat gar nicht oder bis zum sechsten Monat nicht vollständig funktionieren.

Wir bieten Ihnen verschiedene operative Behandlungsmethoden für Verletzungen des Plexus brachialis, die von der Schwere der Verletzung abhängen. Die häufigsten sind:

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Neurolyse und Dekompression des Plexus brachialis
 

Wurden die Nerven während des Geburtsvorgangs zu sehr gedehnt oder übt Narbengewebe Druck auf sie aus, so führt das zum Funktionsverlust des Nervengewebes. Es kann sogar zur narbigen Umformung von Nerven kommen. Durch eine Dekompression des Plexus brachialis bzw. durch eine mikrochirurgische Neurolyse kann eine Regeneration des Nervengewebes erreicht werden. Bei narbiger Veränderung von Nervengewebe ist die Nerventransplantation notwendig.

Rekonstruktion des Plexus brachialis durch autologe Nerventransplantation

Bei der autologen Transplantation transplantieren wir Nervengewebe vom Bein des Kindes in das betroffene Gebiet und können den entstandenen Defekt überbrücken.

 

Nervenfasertransfer

Der periphere Nervenfasertransfer wird ergänzend zur Rekonstruktion des Plexus brachialis durchgeführt oder im Falle eines Wurzelausrisses.

Besonderheiten bei Kindern mit Plexus brachialis Verletzungen

Entwicklungs- und Wachstumsstörungen durch Plexus brachialis Verletzungen

Nach der Geburt entwickeln sich das Nervensystem wie auch andere funktionelle Systeme (Skelett, Muskulatur, Faszien und andere Gleitsysteme, etc.) weiter. Neben dem Größen- und Längenwachstum müssen die Kinder auch stabilisierende Bewegungsabläufe sowie die Bewegung selbst erlernen.

Kommt es während der Geburt zu einer Verletzung des Arm-Nervengeflechtes, sind alle diese Systeme und auch deren Entwicklung sowie das Größenwachstum verzögert und dadurch gestört. Für Babys ist es wichtig, alle Entwicklungsstadien einer normalen Entwicklung durchzumachen.

Zur normalen Entwicklung des Säuglings gehört etwa die Rückwärtsbewegung des Schulterblattes am Brustkorb. Nach der Geburt liegen die Schulterblätter relativ weit seitlich am Brustkorb und wandern später nach hinten. Für diese Neuplatzierung des Schulterblattes sind viele Schultermuskeln, die häufig durch eine Verletzung des Plexus brachialis betroffen sind, notwendig. Da die Schultermuskeln gelähmt sind, wird der Arm nicht bewegt und diese Entwicklung sowie das Größenwachstum des Schulterblattes behindert.

Äußerst wichtig erscheint das Entwicklungsstadium des Krabbelns, da dieser Vierfüßlergang die Basis für die Entwicklung eines erwachsenen, zweibeinigen Ganges ist. Der Erwachsenengang ist bei Kindern erst mit sechs bis sieben Jahren vollständig entwickelt.

FUNKTIONELLE PROBLEME

Diese Entwicklungs- und Wachstumsproblematik kann verschiedene funktionelle Probleme nach sich ziehen. Sehr häufig ist etwa die Innenrotationskontraktur, bedingt durch das typischerweise Ungleichgewicht von Innenrotatoren, die stärker sind als die Außenrotatoren. Durch das Ungleichgewicht kommt es zu einem pathologischen Druck der Sehnen auf den Oberarmkopf, der nach hinten aus der Gelenkspfanne verschoben wird. Da die Knochen wachsen, und entsprechend dem pathologischen Druck, kommt es zu Verformungen.

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Ärztlich begleitet bis zum Ende der Wachstumsphase
 

Daher muss nach einer Verletzung des Arm-Nervengeflechtes das Kind so lange unter kompetenter Kontrolle bleiben, bis das Wachstum des Kindes vollständig abgeschlossen ist. Bei Kindern bis zu einem Lebensalter von drei bis vier Jahren sind diese knöchernen Verformungen dann reversibel, wenn die Kontraktur gelöst und ein neues Muskel-Sehnen-Gleichgewicht hergestellt wird.

MÖGLICHE KORREKTUREN – PHASE DER REKONSTRUKTIVEN VERFAHREN

Bis zum Alter von 14 bis 16 Jahren können Korrekturbehandlungen oder -operationen notwendig werden. An den verschiedenen Bereichen der Extremität können sich unterschiedliche Pathologien entwickeln:

Am Schultergürtel sind am häufigsten die sog. Innenrotationskontraktur, d. h. der Arm kann nicht mehr nach außen gedreht werden. Die Behandlung beinhaltet die Lösung der kontrakten Elemente der Schulter und die Stärkung der außenrotierenden Muskeln.

Am Ellbogen kommt es am häufigsten zu Kontrakturen der Vorderarmdrehung:

  • Supinationskontraktur (sog. Bettlerstellung) - Pronationskontraktur (Unvermögen, den Handteller nach oben zu drehen)
  • Beugekontraktur des Ellbogengelenks (der Ellbogen kann nicht ausreichend ausgestreckt werden)

Am Handgelenk sowie an der Hand können ebenfalls verschiedene Fehlstellungen entstehen. Die Behandlung erfolgt durch die Lösung der Kontraktur und die Optimierung der Muskelbalance. Wenn die Wiederherstellung der Muskelbalance nicht zum Ziel führt, führen wir auch Derotationsosteotamien durch. In seltenen Fällen sind Knochen-Verlängerungsverfahren notwendig.

FÜR EINE OPTIMALE ENTWICKLUNG IHRES KINDES

Durch regelmäßige Kontrollen behalten wir die Entwicklung Ihres Kindes im Auge und können rechtzeitig eingreifen, wenn es notwendig wird. Wir wählen stets die Maßnahme, die für Ihr Kind die besten Ergebnisse verspricht. Das muss nicht zwingend immer eine Operation sein.

In manchen Fällen können wir auch mit Physiotherapie oder elektrischer Stimulation die Funktionen des Armes und der Hand weiter optimieren.

DAS  ERWARTET SIE BEI UNS

Spezialisiertes chirurgisches Team

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Spezialisiertes chirurgisches Team

Ein über viele Jahre erfahrenes, spezialisiertes chirurgisches Team.

Umfassendes Behandlungskonzept

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Unser Behandlungskonzept basiert auf dem Wissen und der jahrzehntelangen Erfahrung von Prof. Hanno Millesi. Wir entwickeln diese operativen Strategien laufend anhand der neuesten wissenschaftlichen Forschungserkenntnisse weiter

Teil der Wiener Privatklinik

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Als Teil der Wiener Privatklinik verfügen wir über die modernste Ausstattung.

Dolmetscher

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Bei Bedarf organisieren wir erfahrene Dolmetscher.

Rundum Betreuung

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Rundum Betreuung

Sie werden rundum betreut – von der Anfrage bis zum Verlassen der Klinik nach Ihrer Behandlung. Alle notwendigen Untersuchungen und Behandlungen – konservativ und operativ – erfolgen in der Klinik.

Unterstützung nach der Behandlung

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Unterstützung nach der Behandlung

Wir unterstützen Sie auch nach der Behandlung und begleiten Sie während der Zeit der Nachsorge, der Regeneration und Bewegungstherapie.

Kompetentes und wohlfühl Ambiente

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Kompetentes und wohlfühl Ambiente

Wir legen Wert darauf, Ihnen ein Ambiente zu bieten, in dem Sie sich kompetent betreut und wohl fühlen.

VORANAMNESE FRAGEBOGEN

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Zum Fragebogen

Falls Sie betreffend Ihrer körperlichen Beschwerden bereits einen langen Krankheits-Verlauf hinter sich haben, bitten wir Sie unseren kostenfreien Fragebogen auszufüllen. Durch Ihre Antworten erhalten wir Informationen über Ihre Beschwerden und Ihre medizinische Vorgeschichte. Das hilft uns bei der Vorbereitung Ihres Erstordinationstermins, bei der Erstellung Ihrer Diagnose und bei der Wahl der passenden Therapie.

FAQ

DIE HÄUFIGSTEN FRAGEN UNSERER PATIENTEN ZUSAMMENGEFASST.

Eine vollständige Regeneration ist möglich, aber dennoch kann die musculo-skelettale Entwicklung des Kindes verzögert sein.

Die Kinder bleiben unter ärztlicher Kontrolle, bis ihr Wachstum abgeschlossen ist.

In erster Linie haben Babys mit höherem Geburtsgewicht (mehr als 4 kg) ein höheres Risiko für eine Plexus brachialis Verletzung.

Mutter und Kind werden in der Regel fünf Tage stationär aufgenommen.

Die Kinder erhalten für fünf Tage einen immobilisierenden Verband. Nach zehn bis 14 Tagen entfernen wir die Naht (intrakutane Naht). Nach drei Wochen beginnt die physikalische Therapie bis zu horizontalen Bewegungen der Schulter. Nach sechs Wochen startet die vollständige physikalische Behandlung.

Eine Operation am Plexus brachialis dauert zwischen vier und acht Stunden.

Die obere Plexus brachialis Verletzung erzeugt eine Lähmung der Schulter und der Ellbogenbewegung. Dadurch ist der Säugling nicht in der Lage oder erlernt zu spät, in Bauchlage den Körper mit den Armen zu stabilisieren. Zudem werden normale Muskeln des Schultergürtels durch das fehlende Erlernen der Bewegungsmuster funktionell desintegriert.

Das Erlernen des Krabbelns als weiterer Entwicklungsschritt und der damit verbundenen weiteren Stabilisierung des Schultergürtels beispielsweise ist für die normale Entwicklung des Schulterblattes und der anderen Knochen des Schultergürtels essenziell. Bedingt durch diese Entwicklungsstörungen können Wachstum und das Erlernen von Bewegungsabläufen gestört sein und sich Steifigkeiten der verschiedenen Gelenksysteme entwickeln.

Eine kontinuierliche Physiotherapie mit spezialisierten Therapeuten ist daher wichtig, damit die betroffenen Kinder Bewegungsmuster altersentsprechend richtig erlernen.