Geburtstraumatische Läsionen des Plexus brachialis

Rekonstruktive Operationen

Zu einer geburtstraumatischen Läsion des Plexus brachialis kann es im Rahmen einer natürlichen Geburt kommen. Risikofaktoren dafür sind ein hohes Geburtsgewicht von mehr als 4000g, ein verlängerter Geburtsvorgang oder eine Zangengeburt. Insgesamt sind etwa 1-5 Kinder pro 1000 Geburten betroffen.

Im Rahmen dieser Verletzungen kann es zu einer Dehnung, einer Ruptur oder einem Ausriss der Nerven aus dem Spinalkanal kommen. In Abhängigkeit von dem Ausmaß der Verletzung ist eine Operation an den Nerven notwendig. Im Rahmen einer mikrochirurgischen Operation werden im Falle einer Dehnung der Nerven diese neurolysiert – es erfolgt die Druckentlastung der Nervenstränge durch Narbengewebe. Bei einem Riss von Nervensträngen können die entstandenen Lücken durch Nerventransplantate überbrückt werden. Bei einem Ausriss von Nervenwurzeln aus dem Rückenmark ist ein Nervenfasertransfer von anderen Nerven notwendig. Eine Operation am Arm-Nervengeflecht ist nicht bei allen Säuglingen nötig. Es bedarf jedoch einer erfahrenen klinischen Untersuchung um die Indikation für ein konservatives Vorgehen beziehungsweise für die Operation zu stellen.

Vielen Eltern wird gesagt, dass sich 95% dieser Verletzungen ohne spezielle Behandlung verbessern. Stimmt das?

Prof. Millesi’s mehr als 40-jährige Erfahrung mit Kindern und Erwachsenen, die an solchen Verletzungen leiden und auch wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema zeigen, dass diese Annahme mehr als übertrieben ist!

Insgesamt ist für die Eltern wichtig zu wissen, dass eine obstetrische Läsion des Arm-Nervengeflechts eine langfristige Behandlung zur Folge hat. Eine primäre Operation an den Nerven legt dabei nur den Grundstein für eine gesunde Entwicklung. Es ist uns wichtig unsere Patienten bis zum Ende des Wachstums zu begleiten. Dadurch können wir gemeinsam die Entwicklung und den Fortschritt unserer Patienten beobachten und falls nötig verbessern.